Lester Raymond Flatt
Geboren: 19. Juni 1914, Duncan's Chapel, Overton County, Tennessee
Gestorben: 11. Mai 1979, Nashville, TN
Instrument: Gitarre, Mandoline
“Der kleine Run, den Sie auf der Gitarre hören und den heute so viele Leute spielen, ist ein Zeitmesser. Wir spielten so schnell, dass wir etwas tun mussten, um zurückzufinden, und er passte perfekt”. "A Conversation with Lester Flatt", Interview mit Bill Vernon in Muleskinner News, August 1972.
Er komponierte mehr als 150 Songs, manche zusammen mit Bill Monroe oder Earl Scruggs:
"Sweetheart You Done Me Wrong" (Billboard #11, 1948 für Bill Monroe)
"When You Are Lonely (Billboard #12, 1949 für Bill Monroe)
"Cabin on the Hill" (Billboard #9, 1959 für Flatt & Scruggs)
"The Legend of the Johnson Boys" (Billboard #27, 1962 für Flatt & Scruggs)
"My Saro Jane" (Billboard #40, 1964 für Flatt & Scruggs)
"Don't Get Above Your Raising" (Billboard #16, 1981 für Ricky Skaggs)
"Backin' To Birmingham", "Crying My Heart Out Over You", "Get in Line Brother", "I'm Going To Sleep with One Eye Open"
“Ich schrieb praktisch alles; was wir spielten. Vielleicht waren nicht alle Lieder gut, aber sie waren original und verkauften sich”. Aus: "A Conversation with Lester Flatt", Interview mit Bill Vernon in Muleskinner News, August 1972.
Frühe Einflüsse
Monroe Brothers
“Ich erinnere mich an das erste Mal, wo ich sie gehört habe, und ich mochte sie von Anfang an, denn der Gesang war wie bei uns zuhause. Als ich anfing, mit Bill zu arbeiten, hatte ich keine Probleme, ich passte genau hinein. "A Conversation with Lester Flatt", Interview mit Bill Vernon in Muleskinner News, August 1972.
Wurde berühmt mit Bill Monroe and the Blue Grass Boys, 1945-1948
Trat auf mit:
Charlie Scott's Harmonizers, Roanoke, VA, 1935
Clyde Moody and the Happy-Go-Lucky Boys, Burlington, NC, 1940
Jim Hall and the Crazy Mountaineers, Burlington, NC, frühe 1940er
Charlie Monroe and the Kentucky Pardners, Winston-Salem, NC ,1943-1945
Bill Monroe and the Blue Grass Boys, 1945-1948
Lester Flatt and Earl Scruggs and the Foggy Mountain Boys, 1948-1969
Lester Flatt and the Nashville Grass, 1969-1979
Bereitete den Weg:
• Lead singer und Gitarrist für die klassische Auflage der Blue Grass Boys
• Leitete mit Earl Scruggs die erste national und international prominente Bluegrassband
• Popularisierte den unter Rhythmusgitarristen berühmten "Lester Flatt G-run"
• leitete die erste weitverbreitete Bluegrass Fernsehshow
• Grand Ole Opry Mitglied, 1955-1979
• Country Music Hall of Fame, 1985
• Bluegrass Hall of Fame, 1991
Nebenbei:
• Er lebte an einem See, wo er gern mit seiner Frau Gladys fischte
• Er förderte Marty Stuart, der bei Nashville Grass einstieg und im Alter von zwölf Jahren bei den Flatts einzog.
• Bluegrass- und Countrystar Keith Whitley konnte Lester Flatts unverkennbare Sprechstimme perfekt nachahmen. Flatt hörte das gern und hielt Unterhaltungen “mit sich selbst”.
Lester Flatts großväterlicher Stil als Ansager, seine entspannte Südstatten-Singstimme, sein solides Spiel auf der Rhythmusgitarre und seine Kompositionen machten ihn bei Generationen von Country- und Bluegrassfans beliebt. Er war ein Mitglied der klassischen Auflage von Bill Monroe und seinen Blue Grass Boys, aber sein Stern leuchtete noch heller, als er in den 40ern eine Partnerschaft mit Earl Scruggs gründete und die Foggy Mountain Boys leitete. Platten bei Mercury und Columbia, WSM Radio und die Grand Ole Opry, ständige Tourneen, eine von der Mehlfabrik Martha White Mills gesponserte Fernsehshow, Musik zur TV-Serie “Beverly Hillbillies” und zum Film “Bonnie & Clyde” und die volle Beteiligung am Folk-Revival erweiterten Flatts Sichtbarkeit und Einfluss. Nach der Trennung von Scruggs im Jahr 1969 leitete Flatt eine Spitzenband, genannt “Nashville Grass”, und nahm bis zu seinem Tod 1979 Platten für Nugget, RCA und CMH auf.
Lester Flatt war in eine arme, musikalische Farmerfamilie im zentralen Tennessee, nahe bei Sparta, geboren. Er startete mit dem Banjo, mit sieben wechselte er zur Gítarre; er spielte mit einem Daumen- und einem Fingerpick, wie es die Countrygitarristen jener Zeit taten (der Gebrauch des Flat Picks sollte erst kommen). Mit 12 verließ er die Schule, mit 17 heiratete er die Sängerin Gladys Stacey, und er wechselte für eine Dekade zwischen der Textilfabrik und der Musik, bis er nach einem Kampf mit rheumatischer Arthritis eine professionelle Musikkarriere einschlug. Er sang Tenor, zuerst mit Clyde Moody and dann mit Charlie Monroe, bevor er endgültig auf Leadgesang umstieg, als er 1945 in die Band von Charlies jüngerem Bruder Bill wechselte.
Es muss eine berauschende Erfahrung gewesen sein: in der Grand Ole Opry auftreten und in Chicago Platten für Columbia aufnehmen für die Blue Grass Boys. Aber zu dieser Zeit war Flatt ein gewitzter Profi und er machte auf der Bühne die Ansagen für den ziemlich schweigsamen Monroe. Wie die Zeitgenossen Frank Sinatra bei den Bands von Harry James und Tommy Dorsey und Tommy Duncan bei Bob Wills & The Texas Playboys wurde Flatt vorwiegend als schmalziger Sänger präsentiert. Seine Frau vermisste ihn während der langen Tourneen und bald wurde sie in Monroes weitgespannter Organisation angestellt, um Verkaufsstände bei den Konzerten zu vermieten. Als der Banjospieler Stringbean die Band verließ, teilte Flatt Monroes Begeisterung für einen neuen Banjospieler nicht - bis er den jungen Picker Earl Scruggs sein Instrument in einer erregenden neuen Weise während eines improvisierten Vorspiels spielen hörte. In einem Interview, das Don Rhodes 1979 für die Zeitschrift “Pickin’” hielt, wird berichtet, dass Monroe sagte: “Stellt ihn an, egal, was er kostet!”
Nach drei Jahren im Starstatus als Begleitmusiker entschieden Flatt und Scruggs, dass sie bereit sind, ihre eigene Organisation zusammen zu leiten, und gründeten 1948 die Foggy Mountain Boys. Die Beziehungen zu ihrem vormaligen Chef waren herzlich bis zum Jahr 1955, als Martha White Mills darauf bestanden, dass Flatt & Scruggs in die Grand Ole Opry aufgenommen werden. Bill Monroe sah darin eine direkte Konkurrenz für seine Nische und suchte die Aufnahme zu verhindern, aber vergeblich. Er und Flatt sprachen bis 1971 kein Wort miteinander, bis zu einer Versöhnung beim Bean Blossom Festival in Indiana. Die Foggy Mountain Boys arbeiteten hart in einer Serie von kleinen Radiostationen, bevor sie 1953 einen 15-Minuten-Auftritt bei Radio WSM morgens um 5:45 Uhr landeten: “Martha White Biscuit Time”. Dieser und die zwei Jahre später folgende Fernsehshow wurden in anderen Märkten im Süden verbreitet. Die damalige Technologie zwang die Gruppe, zu diesen Örtlichkeiten für die Sendungen zu fahren. Ein Bus wurde für sie ausgerüstet und sie reiste mehr als jede andere Grand Ole Opry-Gruppe. Höchst erfolgreich für zwei Jahrzehnte im Radio, auf Platten und auf der Bühne, trennten sich Flatt und Scruggs nach Meinungsverschiedenheiten über die musikalische Richtung, die sie einschlagen sollten. Earl wollte mit seinen Söhnen modernere Musik machen, Flatt fühlte sich unbehaglich mit den Liedern von Bob Dylan und anderem Folkmaterial, das ein Vertrag mit Columbia von ihnen forderte. So machte er sich selbstständig, um eine traditionellere Art von Bluegrass zu pflegen, und formte eine Band “Nashville Grass”. Der Name spielt auf die damals populäre Gruppe “Danny Davis & Nashville Brass” an, die mit viel Blech so etwas wie Country Music spielte. Martha White hatte einen Wettbewerb für den Namen der neuen Band ausgeschrieben.
Lester Flatt machte einige starke Aufnahmen als Solo-Akt, darunter drei Duettalben mit Mac Wiseman. Seine Auftritte mit einem starken Ensemble von Begleitern wurden in der aufkommenden Festivalszene enthusiastisch aufgenommen. Aber Gesundheitsprobleme, sie sich 1967 nach einem Herzanfall einstellten, führten zu einer Herzoperation, sinkender Lebenskraft, verringerten Tourneen und schließlich zum Rücktritt im Frühling 1979. Flatt überredete Curly Seckler, “Nashville Grass” fortzuführen, und starb einige Monate später. Claire Lynch sprach in ihrem Lied “The day that Lester died” für die ganze Bluegrasswelt: “Seine Lieder werden weiterleben, wir werden sie wieder singen, aber irgendwie wird nichts so sein wie es war”.
“In ihren 21 gemeinsamen Jahren haben Flatt und Scruggs meiner Meinung nach mehr Einfluss auf die Musik gehabt als alles andere, das vorher oder nachher gewesen ist”. Lance LeRoy, zitiert in Barry R. Willis, America's Music: Bluegrass, 1989.
“(Earl Scruggs und ich) dachten, als wir anfingen, sie wollten etwas Moderneres, aber sie wollten “Salty Dog Blues”, “Roll in My Sweet Baby's Arms” und solche Nummern und so brachten wir halt diese”. "A Conversation mit Lester Flatt," Interview mit Bill Vernon in Muleskinner News, August, 1972.
“Die Leute sagen zu mir: “Ich sehe dich im Fernsehen und du bist der entspannteste Kerl, den ich jemals gesehen habe”. “Ich kann einfach nicht anders, ich muss sein wie zuhause. Wenn ich das nicht könnte, kann ich es gerade so gut vergessen”. "A Conversation mit Lester Flatt," Interview mit Bill Vernon in Muleskinner News, August, 1972.