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Geschichte der Bluegrass Musik

Die verschiedenen Arten von Musik, die von den Einwanderern seit dem frühen 17. Jahrhundert nach Amerika importiert wurden, werden als die Wurzeln des Bluegrass angesehen – einschliesslich Tanzmusik und Balladen aus Irland, Schottland und England sowie afro-amerikanische Gospel Musik und Blues (tatsächlich brachten Sklaven aus Afrika die Urform des Banjos mit, heute ein integrales Instrument im Bluegrass).

Als die frühen Siedler in Jamestown sich allmählich in die Carolinas, Tennessee, Kentucky und die Virginias ausbreiteten, verfassten sie Lieder über ihre täglichen Lebenserfahrungen im neuen Land. Da die meisten dieser Menschen auf dem Land lebten, reflektieren diese Lieder das Leben in der Farm und auf den Hügeln, und diese Art von Musik wurde „Mountain Music“ oder „Country Music“ genannt. Die Erfindung des Plattenspielers und das Aufkommen des Radios in den frühen 1900ern brachte diese Old Time Music aus den ländlichen Bergen im Süden zu den Menschen in den ganzen USA. Bill Monroe Display

 

Guter Gesang wurde ein immer wichtigerer Teil der Country Musik. Singende Stars wie Jimmie Rodgers, Familienbands wie die Carter Family aus Virginia, und Duos wie die Monroe Brüder aus Kentucky trugen wesentlich zur Verbreitung traditioneller Country Musik bei. Die Monroe Brothers waren eines der populärsten Teams der 1920er und der frühen 1930er Jahre. Charlie spielte Gitarre, Bill Mandoline, und sie sangen Duette in Harmonie. Als die Brüder sich 1938 trennten , machten beide selbstständig weiter und gründeten ihre eigenen Bands. Da Bill aus dem „Bluegrass-Staat“ Kentucky stammte, nannte er seine Band „Bill Monroe and the Blue Grass Boys“, und der Sound dieser Band schuf eine neue Form von Country Musik.

 

„Bill Monroe and the Blue Grass Boys“ traten 1939 erstmals in der Grand Ole Opry auf und wurden bald eine der populärsten Bands, die von den WSM-Studios in Nashville auf Tournee gingen. Bills Band unterschied sich von anderen traditionellen Countrygruppen jener Zeit durch den hart treibenden, kraftvollen Klang, den Gebrauch traditioneller akustischer Instrumente und den Einsatz höchst unverkennbarer Gesangsharmonien. Diese Musik verkörperte Lieder und Rhythmen von String Bands, Gospel (schwarz und weiss), Arbeitslieder und „Shouts“ von schwarzen Arbeitern und dem Repertoire von Country und Blues. Gesangkombinationen umfassten Duette, Trios und Quartette in Ergänzung zu Monroes kraftvollem „High lonesome“ Solo-Lead-Gesang. Nachdem er verschiedene Instrumentierungen erprobt hatte, konzentrierte sich Monroe auf Mandoline, Banjo, Geige, Gitarre und Bass als die Besetzung seiner Band. Die Gitarre kam ursprünglich aus Spanien. Die Mandoline wie auch die Geige und der Kontrabass stammen aus Italien. Manche Bluegrassfans datieren die Musik auf 1939, als Monroe seine erste Blue Grass Boys Band formierte, die meisten aber glauben, dass die Musik 1945 zustande kam, kurz nachdem Earl Scruggs, ein 21-jähriger Banjospieler aus North Carolina, zur Band gekommen war. Er spielte einen neuartigen Dreifingerstil auf dem Banjo, der enthusiastische Hörerschaften begeisterte und in der Folge einfach „Scruggs-Stil“ genannt wurde. Gleichermassen einflussreich in der klassischen Besetzung von 1945 war Lester Flatt aus Sparta, Tn. an Gitarre und Leadgesang gegen Monroes Tenor; Chubby Wise aus Florida an der Geige, und Howard Watts, auch unter seinem Komödiantennamen „Cedric Rainwater“ bekannt, am akustischen Bass. Als zuerst Earl Scruggs und dann Lester Flatt Monroes Band verliessen und bald eine eigene Band, die „Foggy Mountain Boys“, gründeten,  beschlossen sie, die resophonische Gitarre oder „Dobro“ in ihre Band einzufügen. In der Folge ist das Dobro heute oft in einer Band zu finden. Burkett H. „Uncle Josh“ Graves aus Tellico Plains, Tenn. hörte Scruggs’ Dreifingerbanjostil im Jahr 1949 und adaptierte ihn zu seinem ziemlich obskuren Instrument mit dem „slide bar“. Graves spielte von 1955 bis 1969 bei Flatt & Scruggs  und popularisierte seinen vielfach nachgeahmten, treibenden und bluesigen Stil auf dem Dobro. Das Instrument war von den Dopyera Brüdern in den USA erfunden, eingewanderten Musikern und Erfindern aus der Slowakischen Republik. Der Markenname „Dobro“ kommt von DOpyera BROthers.

 

Von 1948 bis 1969 waren Flatt & Scruggs eine treibende Kraft bei der Einführung von Bluegrass in Amerika durch das nationale Fernsehen, in grösseren Universitäten und Sportstätten und in Schulhäusern in zahlreichen Städten. Scruggs schrieb und spielte eines der berühmtesten Instrumentalstücke im Bluegrass, den „Foggy Mountain breakdown“, der in der Musik zum Film „Bonnie & Clyde“ benutzt wurde. 1969 begann er eine innovative Solokarriere mit seinen drei Söhnen als die „Earl Scruggs Revue“, und er nimmt immer noch Platten auf und gibt gelegentliche Konzerte mit seinen Söhnen Randy an der Gitarre und Gary am Bass.

Nach der Trennung von Scruggs im Jahr 1969 machte Lester Flatt erfolgreich weiter mit seiner Band „The Nashville Grass“ und trat regelmäßig bis kurz vor seinem Tod 1979 auf. In den 1950ern begannen die Leute, diesen Musikstil als „Bluegrass“ zu bezeichnen. Bluegrassbands formten sich im ganzen Land und Bill Monroe wurde der allgemein anerkannte „Vater des Bluegrass“.

 

Im folgenden Jahrzehnt wurde das Konzept der „Bluegrass Festivals“ entwickelt: Bands, die bislang eher als Konkurrenten vor einer relativ begrenzten Hörerschaft galten, traten nun zusammen bei Wochenendfestivals im ganzen Land auf. Carlton Haney aus Reidsville, N.C. gilt als der Visionär und Organisator des ersten wochenendlangen Festivals im Jahr 1965 in Fincastle, Va.

 

Die zunehmende Verfügbarkeit von Tonträgern mit traditioneller Musik, nationenweite Festivals in Hallen und unter freiem Himmel sowie Bluegrass in Film, Fernsehen und Werbung halfen ebenfalls, die Musik aus der Dunkelheit in unseren modernen Zeiten zu bringen. Lester Flatt & Earl Scruggs and the Foggy Mountain Boys erreichten nationale Bekanntheit dank der Unterstützung durch (die Mehl- und Nahrungsmittelfirma) Martha White Flour, des Soundtracks im genannten Film „Bonnie & Clyde“ und auch der Fernsehserie „The Beverly Hillbillies“. Der Film „Deliverance“ bot ebenfalls Bluegrass, besonders der Titel „Dueling Banjos“, gespielt von Eric Weissberg am Banjo und Steve Mandel an der Gitarre. 2001 zog der dreifach mit Platin ausgezeichnete Soundtrack  des Filmes „Oh brother where art Thou“ der Coen Brüder weitere Hörerschaften für Bluegrass und traditionelle Country Musik an.

 

Bill Monroe starb am 9. September 1996, vier Tage vor seinem 85. Geburtstag. Im Mai 1997 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen dank seines weitgehenden Einflusses auf die populäre Musik des Landes.  Er ist ebenfalls Mitglied der Country Music Hall of Fame und der Bluegrass Music Hall of Fame der IBMA. Auf der ganzen Welt wird Bluegrass heute gespielt und genossen. Zusätzlich zum klassischen Stil, der 1945 geboren wurde und noch weithin gepflegt wird, reflektieren die heutigen Bands Einflüsse einer großen Zahl von Quellen, die traditionellen und Fusion-Jazz, zeitgenössische Country Musik, keltische Musik, Rock & Roll („newgrass“ oder progressiver Bluegrass), Old Time Music und Southern Gospel einschliessen, und die Texte werden in verschiedene Sprachen übersetzt.

 

Dank an die IBMA für die obige Übersicht.